Voynich existiert
in definierten Wirkungsklassen über die aktuelle Bindung und Sortierung hinaus.
Jede Darstellung einer Pflanze ist eine visualisierte Anwendungssignatur. Pflanzliche Simplica erscheinen im Kontext der höchsten, individuellen Wirkungsreife.
Betonte Pflanzenteile wie Blüte, Wurzel, Blatt oder Samenstand markieren den Ort des Wirkstoffs. Beschnittene Pflanzenteile zeigen an, wo und wie eine Extraktion der Wirkstoffe (als Saft, Samen, Wurzelstücke, Harze, Öle) vorgenommen werden soll.
Es wird gezeigt, wie die Pflanze zu verarbeiten ist und woran die richtige Art oder eine Fälschung erkannt wird.
Genau so, wie es im Circa Instans oder anderen originalen Quellen aus der Schola Medica Salernitanae je Simplica tradiert wurde.
Das Vegetationsstadium der Pflanze spiegelt die botanische Erscheinung zum empfohlenen Erntezeitpunkt.
Welche Wirkungsklassen können identifiziert werden?
Zykluswirksame Simplica
Eine Serie der Sanftheit.
Sie wurde von einem Terminus geführt.
In der Voynich-Sammlung sind Pflanzen tradiert, die den weiblichen Zyklus positiv unterstützen. Auch dann, wenn er von hormonellen Schwankungen und Umstellungen geprägt ist.
Die Simplica wirkten zum Teil hormonell ausgleichend, auch klimakterisch beruhigend. Sie halfen bei PMS-Symptomen, Schmerzen, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit oder innerer Unruhe. Sie stärkten das Herzkreislaufsystem, beruhigten Magen und Darm oder erleichterten Wechseljahresbeschwerden.
Linienführung, Form und Farbe, alles ist auffällig einheitlich. Es zeigt sich ein internes System, ein Terminus für eine visualisierte Wirkung.
Lustfördernde Simplica
Die Steigerung der Lust und sexuellen Aktivität wurde für alle Geschlechter thematisiert.
Zur Förderung der Libido von Frauen und Männern wurden unterschiedliche Pflanzen tradiert. Einige der Simplica wirkten wirkten parallel auch empfängnisverhütend.
Blind Spot Geburtshilfe
In der gesamten Voynich-Sammlung fällt eins sofort auf:
Es fehlt jede Symbolik für Geburtshilfe oder Geburten. Es fehlen Darstellungen für fortgeschrittene Schwangerschaften oder Neugeborene.
Obwohl wir unzählige gynäkologische Infografiken zur Behandlung bei einem Gebärmuttervorfall oder bei einer Erstickung durch die Gebärmutter vorfinden. Wir finden Methoden zur Bestimmung von Eisprung- und Zyklusphasen, Symptombehandlungen bei PMS und Wechseljahresbeschwerden, auch Libidosteigerung oder deren Kontrolle war Thema.
Aber anstatt Geburten finden wir eine Vielzahl an Pflanzen und weiteren Simplica, die zyklusregulierend, blutungsfördernd oder empfängnisverhütend wirkten.
Was sagt uns der Blind Spot der Geburtshilfe innerhalb der Voynich-Sammlung über die vorherrschenden Rahmenbedingungen während der Entstehungszeit?
Bis zum Ende des 15. Jhd. gerät die Geburtshilfe europaweit unter massiven Druck.
Eine Anordnung von Papst Innozenz VIII führt in seinem Antrittsjahr 1484 zum "point of no return".
Die letzten Frauen in einem medizinischen Beruf (Hebammen) werden bis ins 17. Jhd. als Hexen verfolgt, gefoltert und brutal ermordet werden.
Merke dir:
Der Vater von Papst Innozenz VIII war aragonesischer Vizekönig, mit Sitz in Neapel. Nur wenige Kilometer von der "Civitas Hippocratica" Salerno entfernt.
Verhütende Simplica
Verhütung als Vorsorge
In der Voynich-Sammlung finden wir Simplica, die eine Befruchtung der Eizelle vorbeugen oder verhindern können.
Und wir finden auch Pflanzen, die die übermäßige Libido senken sollten.
Weiterhin wurden Pflanzen tradiert, die eine aktive Geburtenkontrolle und Selbstbestimmung ermöglichten.
Menstruationsfördernde Simplica
Um eine zu schwache oder ausbleibende Menstruation zu fördern, nutzten die Mulieres Salernitanae unterschiedliche pflanzliche Frauenheilkünstlerinnen. Darunter bis heute für ihre Wirkung bekannte Arten wie Artemisia (Beifuss) oder Peonia (Pfingstrose, Gichtwurz).
Gebärmutterreinigende Simplica
Die Schola Medica verfügte über unzählige Simplica zur Gebärmutterreinigung. Diese fanden Einsatz bei Fehl- und Totgeburten und auch zum Ausleiten der Nachgeburt.
Blutungsstillende Simplica
Bei Zwischenblutungen oder Menstruationen, die nicht aufhören wollen, kamen ebenfalls Pflanzen und andere Simplica zum Einsatz.
Während die Mulieres Salernitanae ihre Selbstbestimmung in den Codex retten, wird der aragonische Vizekönig zum Papstmacher.
Der Untergang der Civitas Hippocratica und die Zentralisierung Neapels waren keine natürlichen Prozesse.
Der Untergang der Schola Medica Salernitanae war eine bewusste, intellektuelle und kulturelle Säuberung.
Arano Cibo, der aragonische Vizekönig von Neapel, war der administrative Architekt dieses Machtwechsels. Er bereitete als katholischer Hardliner den Nährboden gegen eine empirische, rationale und hygienische Medizin der Schola Medica Salernitanae. Sein eigener Sohn wird später als Papst zum theologischen Vollstrecker des Hexenhammers werden.
Wie kam es dazu?
Arano Cibo hat den Grundstein für das spätere Pontifikat seines Sohnes Giovanni Battista Cibo primär durch strategische Vernetzung in den Machtzentren Italiens und die gezielte Platzierung am neapolitanischen Hof gelegt. Als Vizekönig von Neapel unter Alfons V. sicherte Arano dem künftigen Papst, seinem Sohn, eine Kindheit im inneren Zirkel der Besatzungsmacht.
Nach seiner Zeit in Neapel wurde Arano Senator in Rom unter Papst Calixtus III.. Diese prominente Position im Vatikan ermöglichte es seinem Sohn, in den Dienst mächtiger Kardinäle zu treten.
Was war Papst Innozenz VIII. für ein Mensch?
Giovanni Battista Cibo, als Papst Innozenz VIII, autorisierte 1482 die deutschen Inquisitoren Kramer und Sprenger gegen „Hexerei“ vorzugehen. Kramer nutzte diese päpstliche Bestätigung als Vorwort für den Hexenhammer.
Paradoxerweise war Innozenz VIII. keineswegs so innocent, wie sein Name vermuten lässt. Er war kein Asket. Er war den Frauen, der Sexualität und Reproduktion zugewandt.
Er war der erste Papst, der seine zahlreichen unehelichen Kinder (mindestens 16) offen anerkannte und einflussreich verheiratete, auch in die Familie Medici.
Stark reinigende & abführende Simplica
Ein chirurgisch erfahrenes Kollektiv ist in der Hygiene erfahren. Wir finden Pflanzen mit stark reinigenden, ätzenden und auch abführenden Eigenschaften. Einige Simplica - wie der Lein - wurden zudem auch zu Trägerstoffen für den Wundverband weiterverarbeitet.
Entzündungshemmende Simplica
Die Autoritäten in Salerno waren mit entzündungshemmenden, antiviralen oder antibakteriellen Pflanzeneigenschaften vertraut.
Sie setzten diverse Simplica für eine sterile Wundversorung und Förderung der Wundheilung ein.
Schmerzlindernde Simplica
Die Schola Medica Salernitanae tradierte unzählige pflanzliche Wirkstoffe mit schmerzstillenden und krampflösenden Wirkungen.
Sedierende Simplica
Die Sammlung enthält neben den Bestandteilen der Schlafschwammnarkose noch weitere sedierend wirkende Pflanzen.
Die lokalen Anwendungsarten varierten von Salben, Ölen, Rauchbädern, Tinkturen, Umschlägen und Wickeln. Ein erfahrenes chirurgisches Kollektiv.
Simplica der chirurgischen Nachsorge
Zudem finden wir unzählige Simplica, die aufgrund der wundheilenden Eigenschaften, inbesondere für die chirurgische Nachsorge, von Bedeutung waren.
1442 markiert den Wendepunkt. Alfons V. von Aragón erobert Neapel und Arano Cibo wird sein Vertrauter.
Der wunde Punkt der offiziellen Geschichtsschreibung
Dass die Schule von Salerno gerade unter der aragonesischen Herrschaft ab 1442 massiv an Bedeutung verlor, ist kein Zufall.
Kurz nach seinem Einzug in Neapel bestätigte Alfons V. zwar formal die Privilegien Salernos, knüpfte sie aber an Bedingungen, die die Autonomie der Schule aushöhlten. Er forcierte am 10. Dezember 1442 die Zentralisierung in Neapel. Die dortige Universität wird zum alleinigen intellektuellen Zentrum des Reiches erklärt, eine Studienzulassung erhalten nur noch männliche Studierende.
Der Standort Salerno verlor seine wissenschaftliche Unabhängigkeit. Der Scuola Medica wurde schrittweise das Recht entzogen, eigenständige Prüfungen abzunehmen oder einen Titel zu verleihen.
Die lange Tradition der Autonomie und die multikulturellen Wurzeln (griechisch, arabisch, jüdisch), die gleichberechtigten Mulieres Salernitanae, all das passte nicht in das zentralistische, streng katholisch-spanische Herrschaftsmodell.
Während man in Salerno empirisch arbeitete, strebte das neue Regime die theoretische, klerikale Buchgelehrsamkeit an.
Der Architekt der neuen (Un)Ordnung.
Als Vizekönig und Vertrauter von Alfons V. war Arano Cibo direkt an der Umsetzung dieser Zentralisierungspolitik beteiligt.
Seine Aufgabe war es, die widerspenstigen lokalen Institutionen des Königreichs, wie das autonome Salerno, dem aragonesischen Thron und damit auch der kirchlichen Linie zu unterwerfen.
Der Übergang von der empirischen Medizin aus Salerno zur dogmatischen Kontrolle in Neapel und im Vatikan war gewollt. Er sollte die Vormachtsstellung im Süden Italiens festigen.
Die Scuola Medica Salernitana verschwand, weil das liberale, praxisorientierte und frauengetragene Fundament mit dem reaktionären, machtpolitischen Kurs der aragonesisch-päpstlichen Allianz unvereinbar war.
Die zeitliche und räumliche Nähe zur Geburt der Hexenverfolgung ist kein Zufall. Es ist die logische Fortsetzung einer Politik, die unabhängiges Wissen als Bedrohung ansah.
Neuere Forschungen, wie sie teils in den "Atti del Convegno internazionale" zur Schule von Salerno diskutiert werden, betonen nun auch verstärkt den Verlust der Multikulturalität durch die Vertreibung oder Marginalisierung arabischer und jüdischer Autoritäten.
Die Mulieres Salernitanae fragen dich jetzt:
Bist du bereit, die Unordnung als solche anzuerkennen?










































