Katalog der Pflanzen aus der Voynich-Sammlung
SOLVE - Sol & Eve - Labor für zyklisches Erkenntnisbewusstsein

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Voynich 
wirkt.

Mit jedem Scrupolo, jeder Libbra, Oncia & Dramma sowie durch jedes Grano.

Durch alle Simplica & Komposita.


Werden die Pflanzen der Voynich-Sammlung zukünftig Teil eines Kulturerbes sein? 

Werden sie wieder mit den Frauen von Salerno verbunden?

Die gelehrten Medizinerinnen destillierten schon Wirkstoffe und nähten Signaturen in Pergamente, als das Heilen von weiblichen Körpern noch erlaubt war. 

Sie forschten und operierten. Sie erzeugten hochpotente Pflanzenwirkstoffe, bauten diese im lernenden Kollektiv über Jahrhunderte gemeinsam an.

Und irgendwann, bevor die ersten Exoten über den Atlantik kamen, haben sie beschlossen, das Wissen zu codieren.

 

Unzählige Blicke, unzählige Pflanzen. Und alle flüstern durch einen Pflanzenkatalog:

"Wir lebten immer rund um Salerno. Im Garten der Minerva. Auf gefallenen Zinnentürmen und entlang der Mauer zur alten Medizinschule. Auf den zerklüfteten Felsen im schroffen Wind. An den Wasserläufen und in den feuchten Grotten. Im muschelgeformten Brunnen. Auf sonnenverwöhnten Hügeln. Im Unterholz der Wälder. Am wilden Wegesrand. Unter den Pergolen und an Spalieren empor. Wir wuchsen überall. Durchs Pergament. Durch Wunden der Belagerung. Durch Seelen. Durch Leben und Tod. Durch ein kollektives Vergessen."

Und sie sprechen heute noch viele Sprachen. Arabisch. Hebräisch. Griechisch. Und einen unverkennbaren, süditalienischen Dialekt. Das Kollektiv schreibt sich jetzt frei. Direkt aus dem Herzen eines mittelalterlichen, multikulturellem und einmalig hochintelligenten Melting-Pot.

 

Wer sonst, könnte in so vielen Dimensionen medizinische und pharmakologische Auswahl, Wirkung und Dosierung auf nur eine Seite codieren?

 


Miteinander verschränkte Pflanzenintelligenz.

Die Voynich-Sammlung beinhaltet zwei Simplica, die konkret in Verbindung stehen. Wir finden eine Wirtspflanze, die Cisto Purpureo (Folio 17r) und ihren Parasiten, den Hypoquistidos (Folio 11v). 

Beide Arten wurden von den Autoriäten in Salerno medizinisch genutzt, vorrangig in der Chirurgie und Wundversorgung. Beide Pflanzenarten wuchsen im Mittelalter nur in eisfreien Mittelmeerregionen.

 

Ein süditalienischer Parasitismus.

Oft wird der Zistrosenwürger (Folio 11v) nur als Parasit der Purpur-Zistrose (Folio 17r) verstanden. Die Voynich-Sammlung öffnet allerdings den Blick auf miteinander verschränkte, medizinische Intelligenz.

Denn die Autoriäten zeichneten beide Folios so, dass ihr Wurzelwerk ineinander passt. Man sieht der Zistrosenwurzel die Entfernung des Parasiten an. Die Wurzeln von Wirt und Parasit passen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip zusammen.

Das ist einmalige Beobachtung innerhalb der gesamten Voynich-Kollektion und auch in den Abschriften salernitanischer Werke. Die originalen salernitanischen Quellen zeigen beide Arten zusammen auf einem Folio dargestellt, ineinander verwachsen.

 

Merke dir:
Tradierte Quellen aus Salerno bestätigen für beide Pflanzenarten ähnliche medizinische Anwendungsbereiche in der Chirurgie, auch am Hals.

 


Kann eine endemische Pflanze die Sammlung nach Hause holen?

Die Palinuro (Folio 7v) ist der Schlüssel in das Ökosystem der 600 Jahre alten Sammlung. Sie wird im wortwörtlichsten Sinne zur Schlüsselblume.

Wie verwunderlich ist es, dass eine sehr alte, paläo-endemische Pflanzenart in der Voynich-Sammlung zu finden ist? Ohne jeden Code. Keine Chiffrierung.

Diese Wildprimel-Art lebte schon an diesem winzigen Küstenstreifen, als Mittel- und Nordeuropa noch unter der Eisschicht der letzten Eiszeit verborgen waren. Die Palinuro ist seit Jahrtausenden morphologisch unverändert. Ihr Pflanzenbestand ist zudem sehr alt, denn es wachsen nur wenig neue Pflanzen nach. 

Bis einschließlich heute ist die Palinuro nur hier heimisch: an den Steilküsten des Tyrrhenischen Meeres. Dort, wo die Amalfiküste den Cilento küsst.

Die Wurzel der Primel trägt einen Anker, einen Haken. Damit hält sie sich seit 600 Jahren im Kalkstein fest und wartet auf die Rückkehr des salernitanischen Archivs.

 

Die Endemie der Palinuro spricht:

Ich bin nicht nur Heilerin.
Ich bin Gedächtnis.

Ich wachse, wo der Wind rau ist.
Wo das Meer sich an Felsen bricht.
Wo niemand pflanzt, aber alles bleibt.

Ich bin endemisch.
Das heißt: Ich gehöre nur hierher.
Nirgendwo sonst.

Und als sie mich zeichneten, wussten sie:
Wer mich findet, findet den Ort.
Wer mich erkennt, findet die Wahrheit.

Ich bin nicht verloren.
Ich bin eine pflanzliche Koordinate.

Katalog der Pflanzen

in Auszügen, sortiert nach der aktuellen Bindung*
  

 

*Der willkürliche Wechsel der pharmazeutischen Wirkungen ist von den salernitanischen Autoritäten nie beabsichtigt gewesen. Die Unordnung entstand durch spätere Bindung.

 

Eine Bifolio-Betrachtung zeigt, die Simplica teilen sich Wirkungsklassen, wenn sie auf einem Bifolio erscheinen. Anhand dieser Betrachtung kann die originale Bindung rekonstruiert werden.
 

 

 

Was erzählt uns die tradierte Flora noch über die Quelle?

 

 

Gibt es noch weitere Pflanzen, die vor 600 Jahren nur im südlichen Mittelmeerraum tradiert wurden?

Einige der Pflanzen aus dem Voynich-Manuskript waren sogar noch 100 Jahre (!) nach dem Verschwinden der Schule von Salerno in Mittel- und Nordeuropa unbekannt. Auch in Standardwerken des 16. Jahrhunderts, wie im "Kreüter Register" und dem "Kranckheyten Register" von Leonhart Fuchs blieben viele der regionalspezifischen Voynich-Pflanzen unbeschrieben. Obwohl nur diese beiden Register von Leonhart Fuchs frühzeitig durch Wirkung auf ein frauenheilkundliches Spezialgebiet zeigten.

 

Aber nur die Traktate und Handschriften aus Salerno, aus der Scuola Medica Salernitana und dem Giardino della Minerva tradierten auch die Pflanzen, die ein sehr spezifisches Ökosystem im Mittelmeerraum benötigten. So werden neben der paleo-endemischen Palinuro auch das weiße Bilsenkraut, die Schmerwurz, der echte Venusnabel, die Kreuzblättrige Wolfsmilch, der Italienische Aronstab, der Knoten-Beinwell, der Zistrosenwürger als pflanzlicher Parasit und seine Wirtin, die Purpur-Zistrose, alle zu geografischen Markern.

Pflanzen, die dir zurufen:
Unsere Heimat war Süditalien.

 

Ein Exkurs in die Tierwelt zeigt, dass in der Voynich-Sammlung ein spezifisches Ökosystem zu Hause ist.

Was verrät uns die biologische Signatur der Provinz Salerno über die Fauna der Voynich-Sammlung?

Die Tiere im Voynich werden oft als Fabel-, Sagen- oder Fantasiewesen interpretiert. Obwohl sie in Süditalien auch Bestandteile von medizinisch wirksamen Rezepturen und Anwendungen waren. In Salerno wurden sie gemeinsam mit den Pflanzen, Harzen, Erden, Metallen und Mineralien genutzt. Das Wissen um die Verarbeitung tierischer Arzneibestandteile wurde an der Scuola Medica über Jahrhunderte dokumentiert, in unterschiedlichen Rezepturen, Verarbeitungsschritten und Anweisungen. Durch alle originalen, handschriftlichen Traktate hinweg.

Damit kann die Biologie eines Ökosystems bei der Suche nach dem Herkunftsort der Sammlung helfen. Denn wir finden im Voynich eine sehr seltene, grottenbewohnende Tierart:

"De stincis" benötigen ein fein justiertes Ökosystem. Grottenolme sind zur Arterhaltung auf gleichbleibende Wassertemperaturen und regelmäßig zufließendes, frisches Quellwasser angewiesen. Wo finden wir all das? Die süditalienische Region um Salerno bietet genau dieses Ökosystem, im Besonderen sogar im Garten der Minerva. Und die salernitanischen Autoritäten beschrieben "De stincis" als einzige Quelle vollumfänglich in all ihren Werken, nur die Zeichnung ist vor Ort abhanden gekommen. Sie wurde, wie andere tierische Simplica aus den originalen Handschriften geschnitten. Seitdem leben die Tiere des spezifischen Ökosystems überall auf der Welt verstreut. Sehr viele von ihnen in Bestiarien, in globalen Archiven oder in unberührten Erbschaften. Oft nicht als salernitanisches Original aus der langen Tradition vor 1456 gekennzeichnet. 

 

 


Rezept mit Ambra (ambre) für die Herstellung eines Rauchsitzbades

übersetzt aus dem "Antidotarium Nicolai", Salerno

Nimm östliche oder westliche Ambra (ambꝛe ʒiii ʒi), Aloeholz (aloe ligno) von bester Qualität, Moschus (muscus/mosche ʒIʒII oder musc̄  ʒii ʒii iii oder musc̄ nidoꝛis) und Kampfer.

Man bereitet die Mischung so, dass sie kuchenartig wird; man fügt Sirup oder Honig hinzu, jedoch nicht zu stark verflüssigen. Dann legt man Ambra auf und lässt sie auf dem Honig schmelzen; wenn sie verflüssigt ist, nimmt man sie vom Feuer.

Anschließend wird Aloeholz, sehr fein pulverisiert, untergemischt; danach fügt man Moschus hinzu und knetet sorgfältig mit den Händen. Zuletzt gibt man Kampfer, ebenfalls sehr fein pulverisiert, hinzu. Danach knetet man weiter mit den Händen, zieht die Masse auf eine Schale, breitet sie aus, versiegelt sie und lässt sie abkühlen. Nach dem Erkalten wird sie entnommen und stückweise geschnitten.

Anwendung:
Dieses Mittel ist wirksam bei Schmerzen der Gebärmutter; der Rauch wird von unten aufgenommen.

 

 

 

Wann darf die Sammlung mit dem Namen MS Beinecke 408 wieder nach Hause?

 

 

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