Act 1 - Die Welt sortiert sich noch - seit 600 Jahren.
SOLVE - Sol & Eve - Labor für zyklisches Erkenntnisbewusstsein

"Salerno parlava molte lingue 1.000 anni fa, e così facciamo anche noi."
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Bitte bleibe weiter geduldig.

Die Welt sortiert sich noch.
Das kann mal passieren. 

Was sind schon 100 Jahre Forschung? Unsere Hochkultur testet nur gründlich, welche akademische Tradition erst unterdrückt, dann durch eine Naturkatastrophe vernichtet und anschließend als Archivfragmente auf dem gesamten Globus verteilt wurde. 

Adequate Antworten brauchen Zeit. 
Geben wir der Welt die Zeit.

 

 

 

 

Also, warum verbringen wir die Wartezeit nicht gemeinsam?

Und schauen Europas ersten botanischen Garten dabei zu, wie er sich neu entdeckt?

 

Ein Garten träumt sich durch die Archive der Welt.

Er sucht nach seinen fragmentierten Quellen. 

Nachdem der Giardino della Minerva gesehen hat, wie sein Wasserkreuz mit den Koordinaten 40°40'53"N 14°45'12"E exakt über das Wasserkreuz auf dem Voynich Folio 85v passt, sucht er in originalen Handschriften aus Salerno nach seinem Ebenbild.

Und er hat eine Blaupause gefunden. Ist das seine eigene, von der Topografie inspirierte, terrassierte Struktur in der Hanglage? Oder haben die Autoritäten aus Salerno ihre philosophischen Vorstellungen von der salernitanischen Medizin als Garten der 4-Elemente skizziert?

In der medizinischen Sammelhandschrift findet man auch:

  • Niccolo' Salernito: Antidotarium, cum glossis
  • Trotula de Ruggiero: De passionibus mulierum
  • Antidotarius ‚Pomum ambrae‛
  • Sextus Placitus Papyrensis: Liber medicinae ex animalibus
  • Ps.-Aristoteles: Secretum secretorum
  • Platearius: In Antidotarium Nicolai
  • Aegidius Corbeiensis: De urinis, cum commento

Und wer beim digitalen Blättern durch die Sammelhandschrift genau hinschaut, wird das Basic-EVA-Alphabet in Zukunft neu denken. 

Die beständige Terrassenstruktur (parcella, aiuola, terrazzamento/livello°) des "Giardino della Minerva" kann auf konkrete Simplica aus der Voynich-Sammlung untersucht werden.

Dazu empfehlen wir die süditalienische Quelle im Original.

Der Giardino della Minerva will jetzt endlich wissen, was seine Pflanzen und die Simplica aus der Voynich-Sammlung mit einer Operation gemeinsam haben. 

 

Gönnen wir uns kurz eine neue Perspektive, ohne Dogma.

Eine Perspektive, die keine Kriegsstrategien oder Militärcodes braucht.
Eine, die ohne Geheimoperationen auskommt.

 

Denn, die Voynich-Simplica wurden im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen genutzt. 

 

 

 

Finden wir Übereinstimmungen in Referenzen für chirurgische Operationen mit Besteck und Anleitungen für Techniken zum sterilen Wundverschluss? Werden wir in der Voynich-Sammlung Narkosetechniken entdecken?

Die Darstellungen in der Sammlung sind mehrdimensional codiert, nicht nur auf pharmakologische oder botanische Informationen.

Manche Simplica, wie die Palinuro (7v), werden zu Geomarkern. 

Und andere, wie das Geißblatt (17v), zeigen es deutlich:

Sie tragen ein Operationsbesteck. 

 


Nadel, Faden & Pinzette

In der Voynich-Sammlung trägt das Folio 17v (Caprifoglio Comune) ein golden schimmerndes, operationstechnisches Besteck. Sichtbar am Rankenende und am Übergang vom Stamm zur Wurzel. 

 

INDIZ NUMMER 1

Schon die salernitanischen Autoritäten verwiesen mit einem Lehrsatz auf den Einsatz von chirurgischen Besteck hin. Wir zitieren aus dem Circa Instans zum Simplica Auro:

"Wenn übrigens, aus medizinischen Gründen, dem Leidenden Verbrennungen zugefügt werden müssen, sind Geräte aus Gold viel besser, als aus jedem anderen Metall. Weil so die Brandwunden weder zu Krebs noch zu Wundrose ausarten."

 

Merke dir:

Trägt ein Pflanzenteil eine chemische Signatur von Auro (Au), dann war es ganz sicher ein chirurgisches Besteck.

 

Wir erinnern an die weitere dokumentierte Praxis & Theorie zur Ressourcengewinnung (von Au) und dem sonstigen pharmakologischen Einsatz in Salerno:

Gold wurde durch Auskochung aus einer Erdader gewonnen. Es galt als gleichmäßig warm und trocken, ohne Grade. In Komposita fand Auro Anwendung als Goldspäne bei frauenheilkundlichen Symptomen der Herzerstickung, bei Wassereinlagerungen in den Beinen, bei Kreislaufproblemen und Ohnmacht.

Die Augenchirurgie verwendete Gold in Salben zur Entfernung der Augenhornhaut. Costanza Calenda und Clarice di Durisio waren die letzten bekannten Autoritäten an der Scuola Medica Salernitana, die über eine Spezialisierung als Augenärztinnen verfügten.

 

 

 

Die Methode, eine Pflanze mit chirurgischem Werkzeug zu markieren, ist von salernitanischer Praxis inspiriert.
 

Die Autoritäten versahen die Zeichnungen jeher mit codierter Bildsprache, auch in Form von Nadel und Faden. Schau dir den Ypoglossos aus dem Garten der Minerva mal genauer an. 
 

Hast du Nadel und Faden schon entdeckt? Dann schauen wir uns direkt im Vergleich sein Pendant im Voynich an. 

 

INDIZ NUMMER 2


Der Ypoglossos trägt in der Voynich Sammlung eine Narbe & ein exaktes Dosis-Protokoll.


Der Ypoglossos alias Bislingua oder Ruscus hypoglossum trägt im Voynich auf Folio 38r eine Signatur, die Nadel & Faden hinterlassen, wenn sie zum Einsatz kommen.

Das Folio 38r tradiert eine Lerneinheit für einen operativen Wundverschluss, eine visuelle Nähanleitung.

Zudem spiegelt seine Pflanzendarstellung die ethische Verantwortung eines pharmakologisch, chirurgisch erfahrenen Kollektivs wieder.

Der Ypoglossos weist didaktisch auf die Exaktheit der Dosiswahl bei der Geburtshilfe und -kontrolle hin.


 


Folio 38r ist ein Warnhinweis und ein genähtes Protokoll

Der Ypoglossos (Folio 38r) spricht einen Warnhinweis auf eine gefährliche Überdosis (>5!) aus. Das sechste Zeichen der Überdosierung (in Tropfenform) wurde chirurgisch entfernt und die Pergament-Leerstelle anschließend sorgfältig genäht. Selbst 100 Jahre später wird man in Deutschland (zum Beispiel bei Leonhard Fuchs), den Ruscus Hypoglossom noch mit der Überdosierung (4-6 Quintlein in Wein) empfehlen. 

Das Zungenblatt, Zäpfflinkraut oder der Mäusedorn, wie der Ypoglossos auf Deutsch auch genannt wird, eröffnet noch eine weitere Gedankenebene. Durch die visuelle Codierung und die schematische Darstellung von Gebärmutter und Eierstöcken wird deutlich, wie der Ypoglossos in der Gynäkologie genutzt wurde. 

Auf Folio 38r wird neben der Art, Wirkung und Dosierung auch ein tradierter Eingriff am Körper einer Frau visualisiert. Genäht mit mindestens drei bis vier Stichen und einem Seidenfaden, so wie Trotula de Ruggiero schon 250 Jahre vor der Entstehung der Voynich-Sammlung am selben Ort Dammrisse nähte.

Der Ypoglossos wächst im Giardino della Minerva vor einem Brunnen, der noch heute das Antlitz der Namensgeberin des Gartens trägt.

 

 

Das Operationsbesteck wurde von den selben Frauenhänden berührt, die auch die hochwirksamen Pflanzen kultivierten und alles im Voynich-Ensemble verewigten.

 

 

Wenn die Autoritäten chirurgisch erfahren waren und operierten, dann stellt sich eine weitere Frage.

 

Welche Simplica oder Komposita wurden für eine Betäubung genutzt? Finden wir Hinweise auf Narkosemittel in der Voynich-Sammlung?

Im Mittelalter wurden Pflanzen fast überall in Europa gezielt zur Schmerzkontrolle während chirurgischer Eingriffe verwendet. Eine Betäubung konnte damals schon mit unterschiedlichen Rezepturen und Wirkstoffen durchgeführt werden. Auch die Darreichungsformen variierten. Man verabreichte einen Schlaftrunk (Pflanzenwirkstoffe in Wein) oder nutzte lokal betäubende Salben und Umschläge.

Und dann gab es in Süditalien einen Ort, der schon um 1100 eine tradierte Inhalationsnarkose praktizierte. Opio (Schlafmohn & Opium), Iusquiamus (Samen des weißen oder roten Bilsenkrauts) und Mandragora (Alraune), appliziert über einen Meeresschwamm auf dem Gesicht des Patienten, sedierte diesen kontrolliert.

In Salerno dokumentierten die forschenden Autoritäten unzählige, betäubend wirkende Simplica und deren Möglichkeiten. Und sie entwickelten Rezepte und Anwendungen mit einer eineindeutigen Signatur. Eine Pflanzensignatur, die bei der Wissensweitergabe schon im Alpenraum verloren ging. 


Iusquiamus & Cassilagio

Das weiße Bilsenkraut zeigt, wie Wissen ohne medizinische Grundausbildung bei der Transkription verschwindet. Mit lebensgefährlichen Folgen.

 

 

INDIZ NUMMER 3

"Weißes Bilsenkraut" galt schon in der Antike als Narkotikum. Seine beruhigende, nicht berauschende Wirkung war im Gegensatz zum "Schwarzen Bilsenkraut" dosierbar.

Die Autoritäten in Salerno tradierten Iusquiamus & Cassilagio ausführlich, über Jahrhunderte hinweg. Insbesondere aufgrund der betäubenden und schmerzlindernden Wirkung, ohne Risiko von Nebenwirkungen wie Halluzinationen. Sie profilierten eine Inhalationstechnik, in der Iusquiamus ein Hauptbestandteil war. Und sie nutzten das Cassilagio für schmerzstillende und schlaffördernde Umschläge und Wickel.

Die Schule von Salerno war es auch, die im Medizinstudium und der Praxis explizit auf einen Lehrsatz verwies.

 

Merke dir:
Wenn Bilsenkraut verordnet ist, nimm nur die Samen vom Iusqiamus (yosom̄us zI) oder das Cassilagio (Blätter) vom weißen oder roten Bilsenkraut. Das schwarze Bilsenkraut ist tödlich.

Beinecke MS 408 - Iusquiamus & Cassilagio - Folio 3v wird beim Wissenstransfer nach Norden verloren gehen

Achtung:
Iusquiamus Iusquiamus.
 

 

In Salerno lernten die Studierenden über Merksätze das Regelwerk zur Auswahl von Pflanzenunterarten, deren Verarbeitung und Wirkung kennen.

Eine vollständige Ausbildung in der Simplicia-Lehre der Scuola Medica, insbesondere im "Circa instans" und im "Tractatus de herbis", schufen dieses Grundwissen, welches kontextunabhängig und ohne Ausnahme galt.

Die Protouniversität arbeitete mit einem Terminus für jedes Simplica. 

Jede Autorität in Salerno wusste, wenn Iusquiamus verordnet wird, darf nur der weiße oder rote Bilsensamen verwendet werden. 

Salernitanische Standardwerke - wie der "Antidotarium Nicolai" - setzten in Folge der medizinischen Ausbildung des regelbasierten Systems, den Terminus in der späteren Praxis als selbstverständlich voraus.

 

Der Wissenstransfer von Süd nach Nord scheiterte nicht an wirkungslosen Rezepturen.

Er scheiterte an der fehlenden Grundausbildung der Übersetzenden. 

Alle Standardwerke der Schule von Salerno wurden regelmäßig innerhalb des Kollektivs kopiert und in unzählige Sprachen übersetzt, gegenseitig referiert.

Außerhalb der salernitanischen Rezeption wurde der Iusquiamus oft nur verallgemeinert, ohne Nennung der Unterart und der notwendigen Vorkenntnisse aus erweiterter Lektüre gelistet.

 

 

Aus dem weißen Bilsenkraut wurde allgemeines Bilsenkraut, manchmal sogar konkret die schwarze Unterart. Ein tödlicher Fehler. Auch, weil das schwarze Bilsenkraut in mittel- und nordeuropäischen Ökosystemen viel einfacher zu finden und verfügbarer war.

Dieser Fehler wird den Niedergang der Spongia Somnifera in Europa einleiten, obwohl diese nachweislich seit 1100 n. Chr. in Süditalien von studierten Autoritäten und in einem regelbasierten System erfolgreich praktiziert wurde. 

Hans von Gersdorff erwähnte den Schwamm 1517 noch in seinem „Feldtbuch der Wundtartzney“, doch kurz darauf häuften sich Berichte über letale Komplikationen und die Unvorhersehbarkeit der Wirkung.

 

 

Prof. Dr. Husemann thematisierte schon 1889, auf welchem hohem Niveau die Anwendung der Schlafschwammnarkose in Salerno tradiert war.

 

Im Giardino della Minerva finden wir die pflanzlichen Simplica der Spongia Somnifera gemeinsam auf der gleichen Ebene (Livello° 0) angebaut.

In einem kreisrunden Beet, sortiert nach der 4-Elemente-Didaktik der Scuola Medica Salernitana.

Können wir noch mehr Bestandteile der Schlafschwammrezeptur aus dem Antidotarium Nicolai und dem Giardino della Minerva in der MS Beinecke 408 Kollektion finden?

Der Iusquiamus steht auch in der Voynich-Sammlung in einer Reihe mit einem weiteren Sedativum.

INDIZ NUMMER 4

Der Iusquiamus teilt sich ein Pergament mit einem betäubenden Simplica.

Löst man die Bindung der Voynich-Sammlung auf, wird auf demselben Pergament neben dem weißen Bilsenkraut der Schlafmohn (Folio 6r) sichtbar. Beide Simplica waren Bestandteil der Spongia Somnifera in Salerno.

Die Voynich-Sammlung zeigt zwei Hauptzutaten der originalen Rezeptur auf einem Bifolio, direkt nebeneinander.


Was machte die Schlafschwammnarkose in Süditalien so erfolgreich?

Ein schmerzlindernder Bestandteil des Schlafschwamms ist auf Folio 6r zu finden. Dem Papaver wurde die unreife Samenkapsel beschnitten. Auch in der spongia somnifera-Komposita bei Niccolo' Salernitano wird ein Einsatz von Opio tradiert. Der Saft der unreifen Mohnkapseln blockiert die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Gehirn. Das Simplica f. 6r war das primäre Schmerzmittel in der Schlafschwammkomposition.

Damit die Patienten nicht bei vollem Bewusstsein operiert werden mussten, kam ein zweites Simplica ins Spiel, die Mandragora auf Folio 13r. Die Alraune war der Hauptbestandteil der Komposita und förderte tiefen hypnotischen Schlaf. Sie enthält unter anderem Scopolamin, ein Alkaloid, das stark dämpfend und schlaffördernd wirkt. Es wirkt auch stark amnestisch, das heißt, der Patient hatte hinterher keine Erinnerung an den Eingriff. Ein unschätzbarer Vorteil, um Traumata zu vermeiden und auch praktisch für die Chirurginnen. Scopolamin dämpft sogar den Würgereflex bei den Patientinnen und Patienten.

Die Autoritäten in Salerno wussten auch, dass die Alraune allein nicht reicht. Der Iusquiamus auf Folio 3v enthält ähnliche Akaloide und diente als Stabilisator in der Komposita. Zusammen ergeben die drei Simplica ein Schmerz-, Schlaf- und Amnesiemittel. 

Um unkontrollierte Bewegungen, ein Zucken oder Abwehrreflexe durch Schmerzreize zu verhindern, wurde ein viertes Simplica hinzugefügt. Cicuta di Socrate (lost Folio 12v). Gefleckter Schierling hat keinerlei schmerzlindernde Wirkung und ist auch hochtoxisch. Seine Aufgabe bestand in der Blockierung der neuromuskulären Übertragungen, in der Lähmung der Muskulatur. Hier ist der Grat zwischen Muskelrelaxation und tödlicher Atemlähmung allerdings so schmal, dass ohne ein 5-jähriges Studium an der Scuola Medica und der Anwendung von Feinstoffmaßen eine Dosierung immer tödlich wäre.

Roter Storax, ein aus Kalabrien stammendes Gummiharz eines Baumes, stabilisierte die Rezeptur für eine Anwendung im Kopfbereich. Alles zusammen wurde in 2 Librae Öl angesetzt.

 

 

 

 

Die Scuola Medica arbeitete mit einem System aus vier Komponenten:

1. Analgesie
2. Hypnose
3. Amnesie
4. Muskelrelaxation.

 

Im salernitanischen "Circa Instans" wurden alle Simplica der "Spongia Somnifera" einzeln mit ihren individuellen Eigenschaften tradiert.

Die Digitalisate stellt die Universität Heidelberg der "Bibliotheca Palatina" zur Verfügung.

 

 

 

Der "Cicuta di Socrate" wächst bis heute im Giardino della Minerva. 

Direkt neben dem Baum des Sokrates. In der selben Beetanlage, wie alle übrigen pflanzlichen Simplica der Spongia Somnifera.

livello° 0

 

 


Das salernitanische Schlafschwamm-Protokoll

Die Anwendung des Schlafschwamms folgte in in der Civitas Hippocratica einem streng definierten Protokoll:

Die Sättigung

Ein frischer Schwamm aus dem Meer wurde in eine wirkstoffgesättigte Öl-Lösung getaucht. Diese Lösung befand sich in einem Kupfertopf. Die Mischung bestand aus Mandragora, Papaver, Iusquiamus und Cicuta di Socrate, aber auch Opio (hergestellt aus weißen Mohn) und Storax, ein fein aufeinander abgestimmtes System.

Die Konservierung

Der getränkte Meeresschwamm wurde im Sonnenlicht für 10 Tage getrocknet. In diesem Zustand konnten die Wirkstoffe über Monate stabil gelagert werden, was auch für durchreisende Chirurgen von großer Bedeutung war.

Die Applikation

Vor der Operation wurde der Schwamm kurz in heißes Wasser getaucht oder über Wasserdampf gehalten, um die Alkaloide zu verflüchtigen. Der warme, feuchte Schwamm wurde dem Patienten fest auf Nase und Mund gepresst.

Die Resorption

Die Patienten inhalierten die Dämpfe. Da die Tropanalkaloide und Opiate lipophil sind, konnten sie über die Schleimhäute der Atemwege direkt in den Blutkreislauf gelangen und die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

Die Reanimation

Nach Beendigung des Eingriffs wurde ein zweiter Schwamm, getränkt mit scharfem Essig, verwendet, um den Patienten zu wecken. Die chemische Reizung des Essigs wirkte als Weckreiz.

 

 

Wo findet man das Wissen der standardisierten Methode?

Die chirurgisch-relevanten Traktakte der Scuola Medica Salernitana werden in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt.

Dort sind in einer zusammengesetzten Handschrift mit der Bezeichnung "Pal. lat. 1318" drei Werke salernitanischer Autoritäten gemeinsam gebunden.

In dieser medizinischen Sammelhandschrift finden wir die Chirurgie von Rolando da Parma, die Kompositalehre von Niccolo' Salernitano und die Simplicalehre von Matteo Platearii.

Die historischen Gewichte & Maße der Scuola Medica Salernitana

Die Schule von Salerno standardisierte erstmals die Quantitäten und die Zubereitungssequenzen von Medikamenten, was die Gefahr von Überdosierungen bei hochwirksamen Toxinen erheblich reduzierte. Die standardisierten Maßeinheiten und Feinstoffmaße, die das Kollektiv um Niccolo' Salernitano einführte, bildeten die Grundlage für eine sicherere Anwendung von Anästhetika in der Chirurgie.

Im Folgenden zitieren wir die historischen Maße & Gewichte aus dem "REGIMEN SANITATIS FLOS MEDICINAE SCHOLAE SALERNI", TRADVZIONE E NOTE DI ANDREA SINNO.

 

 

"REGIMEN SANITATIS FLOS MEDICINAE SCHOLAE SALERNI"

Die Schule listet die damals gebräuchlichen Gewichte und Maße auf. Einige dieser alten Gewichte haben sich bis vor wenigen Jahrhunderten erhalten, nicht nur in den Apotheken des Königreichs Neapel, sondern auch in vielen Ländern Europas.

 

Die Gewichte wurden durch Abkürzungen oder besondere Zeichen angegeben:

  • ℔ = Pfund (Libbra), enthält 12 Unzen.
  • ℥ = Unze (Oncia), besteht aus 10 Drachmen; in älteren Zeiten aus 9 Drachmen.
  • ℨ = Drachme (Dramma), enthält 3 Skrupel.
  • ℈ = Skrupel (Scrupolo), besteht aus 20 Gran.
  • gr. = Gran (Grano), entspricht dem Gewicht eines Weizenkorns.

 

Die Maße für Arznei- oder Kräuterpflanzen waren folgende:

  • Fasc. = Bündel (Fascicolo), enthält so viele Kräuter, wie von einem an die Brust angelegten Arm umschlossen werden konnten, und entsprach 12 Handvoll.
  • M. = Handvoll (Manipolo), enthält so viele Kräuter, wie in einer Hand umschlossen werden konnten. Die Handvoll entsprach 4 Prisen.
  • Pug. = Prise / eine Handvoll Fingerspitzen (Pugillo), enthält eine Menge an Kräutern, die man zwischen den Fingerspitzen greifen konnte.

 

 

Pfund (Libbra)
Findet sich im Gewichts- und Währungssystem der alten Bewohner Italiens. Ursprünglich hieß es „Litra“ und stellte die Einheit der Bronzewährung der Griechen dar; von ihr leitete sich das „Libbra“ ab, eine Gewichtseinheit bei den Römern.

Unze (Oncia)
Stammt vom griechischen „Unchia“ ab; es war die kleinste Einheit des sizilisch-italiotischen Münzsystems und später des römischen.

Drachme (Dramma)
Name der Hauptwährungseinheit bei den Hellenen (Griechen); sie bestand aus sechs Obolen. Laut Plutarch leitet sich ihr Name von drax, „Faust“, ab, im Sinne einer Faust bzw. einer Handvoll kleiner Körner, die auf der Waage dem Metallgewicht entsprachen, das die Drachme bildete.

Da die Münzsysteme der Antike unterschiedlich waren, variiert auch das Gewicht der Drachme; doch in allen Systemen sind ihre Vielfachen und Teilereinheiten in einer mathematischen Abstufung in drei Gruppen unterteilt. In der ersten Gruppe wird die Drachme als Einheit betrachtet; in der zweiten ist die Einheit der Obolus, also das Sechstel einer Drachme; in der dritten ist die Einheit das Tartemorion, ein Viertel eines Obolus oder ein Vierundzwanzigstel einer Drachme.

Exagium (Esagio)
Vom griechischen exágion; die Lateiner (Römer) nannten es Sextula, weil es der sechste Teil einer Unze war.

Aureus (Aureo)
Der römische Aureus entsprach einem Vierzigstel eines Pfundes (8,18 – 8,08 g).

Hemina (Emina)
Hat ihren griechischen Ursprung in hemisys; die Lateiner nannten sie Hemina, und sie wurde als Maßeinheit verwendet, die einem halben Sextarius entsprach.

Sextarius (Sestario)
Diente zum Messen von Flüssigkeiten und Feststoffen und war der sechste Teil eines Congius, welcher sechs Sextarii enthielt.

Kotyle (Cotila)
Wurde bei den alten Griechen als Maß für Flüssigkeiten verwendet und entsprach der Hälfte eines römischen Sextarius (Sestiero) oder Scheffels (Staio).

 

INDIZ NUMMER 5

Auch andere chirurgisch relevante Simplica tragen in der Voynich-Sammlung eine gemeinsame Didaktik. Sie tragen Operationsnähte.

Pergamentblätter von sedierend wirkenden Simplica (Pflanzen oder Mineralien) und auch der Komposita sind oft genäht. Die Operationsnaht tradierte dabei auch eine empfohlenene Nähtechnik zum Wundverschluss als visuelle Information. 

 

 

INDIZ NUMMER 6

Deuten einige Pflanzen als Trägerstoffe, Transmitter und Lösungsmittel auf die hohe Kunst der Pharmakologie hin?

Das Voynich-Ensemble referiert auch Pflanzen, mit denen Wirkstoffe haltbar und dosierbar wurden. Solche, die die Anwendung wirkungsverstärkend unterstützen, die heilende Potenz lösten und katalysierten. Sie teilen sich entzündungshemmende und wirkverstärkende Eigenschaften. Aus unzähligen Simplica wurden Harze, Öle, Verbände und Lösungsmittel hergestellt. 

 

 

 

Die Frauen von Salerno haben das Leben nicht nur durch Heilkräuter reguliert.
Sie haben ihre chirurgische Selbstbestimmung codiert und in jeden Zwischenraum der MS Beinecke 408 Sammlung gezeichnet.

 

 

Liegt unsere Blindheit gegenüber dem Voynich-Manuskript auch an der Glättung seiner Oberfläche?

 

In der weit verbreiteten Gesamtausgabe des Voynich-Manuskripts (Pache/Schmeh) wurden Pergamentnähte und Lochstellen redaktionell retuschiert.

Diese editorische Entscheidung ist aus Gründen der visuellen Vereinheitlichung nachvollziehbar, hat jedoch methodische Konsequenzen.

Materialspuren, die mit Nutzung, ethischer Verantwortung und didaktischer Lerneinheiten einzelner Folios zusammenhängen, sind in der empfohlenen Edition nicht mehr sichtbar.

Da sich solche Nähte auf Folios mit chirurgisch relevanten Simplica oder Komposita häufen, entsteht hier ein bisher kaum reflektierter, neuer Blind Spot.

 

Die Narben des verlorenen Wissens sind auch Schlüssel ins System.

 

Openlution.org empfiehlt die digitale Datenbank der Yale Library als Quelle. Dort findet man jedes Folio der MS Beinecke 40B Kollektion downloadbereit und kostenfrei in vielen Auflösungen und Dateitypen.

 

 

 

Letzte mutige Frage:

Warum fällt ein tradiertes System in einen Kodex?
 

Was passiert, wenn ein forschungsoffenes, intellektuelles Kollektiv von einem streng katholischen Kolonialherren besetzt wird?

Wir rekonstruieren den psychologischen und politischen Mechanismus, der Frauen zwingt, Wissen in eine Codexform zu gießen. Während die Welt um sie herum in ein neues Macht- und Wissensregime, in ein Ungleichgewicht kippt. In eine seit 600 Jahren andauernde Unordnung.

Ein historischer Katalysator ist Ursache für die Voynich-Sammlung. Er markiert den Moment, in dem das Wissen flieht.

Es gibt in der Menschheitsgeschichte jene seltenen Momente, in denen ein Wissensraum oder ein gesamter Kulturkreis plötzlich nicht mehr sagen darf, was er weiß. Nicht weil er falsch, unklar oder gefährlich ist - sondern, weil ein dogmatisches Machtmodell darübergelegt wird. In Salerno geschah genau das. 

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das salernitanische Wissenssystem (empirisch, medizinisch erfahren, pharmakologisch präzise, anatomisch informiert, universell gelehrt, zyklusbewusst, kollektiv vererbt, frauengetragen) verdrängt.

Eine aragonesische Belagerung führte in Süditalien ein streng-katholisches Machtsystem (dogmatisch, hierarchisch, schrift-orthodox, männlich dominiert, moralisch reguliert, körperfeindlich, theologisch gebunden, institutionell verankert, politisch geschützt) ein, mit Zentrum in Neapel und Unterstützung durch den Papst. 

Das Wissen der Frauen von Salerno wurde erst belagert und dann überlagert. Eine 500-jährige Schultradition, die hoch entwickelte medizinische und pharmakologische Praxis und die kollektiven, gleichberechtigten Werte galten nicht mehr. Nicht, weil sie überholt oder stetig weiterentwickelt wurden. Nicht, weil sie in ihrer Funktion versagt haben. Nicht, weil sie eine natürliche Evolution erfahren haben. 

Sie waren schlichtweg nicht mehr erlaubt. Das Archiv wurde stigmatisiert, fragmentiert und systematisch unterdrückt. Geburtenkontrolle und Chirurgie waren im neuen patriarchalen System undenkbar. Das salernitanische System wurde offiziell ersetzt, durch eine aragonesische Ordnung, in der weibliche Identitiäten und Institutionen als moralisches Risiko verstanden wurden.

 

Was passiert, wenn kollektive Werte- und Wissenssysteme nach 500 Jahren der Praxis und Forschung plötzlich unterdrückt werden?

Sie fliehen in viele Dimensionen. Aber nicht nur räumlich, sondern auch formal. Wenn Kultur, Identität und Wissen unsagbar oder verfolgt werden, dann diffundieren sie in codierte Bilder. In Strukturen, Zyklen, Metaphern und Diagramme. Die Voynich-Sammlung zeigt, wie ein 500 Jahre altes System in eine neue Form gezwungen wurde. In ein komprimiertes Medium, das für die dogmatische Ordnung unklassifizierbar sein und bleiben sollte. 

Die Autoritäten in Salerno taten das einzig Mögliche: sie übertrugen jede Information aus ihren Standardwerken in ein Voynich-Simplica. Jede Wurzel, jedes Blatt, jede Blüte, jede Glyphe zeigen, was schon in den originalen Handschriften steht. Sie legten ihre Werke wie den Circa Instans, den Tractatus de Herbis, die Trotula und den Antidotarium de Nicolai je Simplica übereinander und komprimierten diese Informationen. Sie schrieben ihre pharmakologischen Rezepturen, die geologischen und astronomischen Befunde durch interdisziplinäre Zwischenräume. Aus reiner Notwendigkeit. In höchster Reduktion auf Wirkung, Zeit und Ort. Und auch weil sie wussten: Auf das Wesentliche reduziert, offenbaren sich die Schlüssel.

 

Wie fällt ein gesamtes Wissenssystem in einen Kodex?

Auf das Voynich-Ensemble wirkten vier Kräfte. Der Verlust der Institution, der Verlust der öffentlichen Sprache, der Verlust der kulturellen Identität und auch der Verlust der Autorinnenschaft. Denn wenn ein Lernort fällt, fällt das Wissen ins Medium. Wenn Begriffe verboten und Archive in die Welt verkauft werden, dann wird Bildsprache Semantik. Und wenn Frauen nicht mehr schreiben oder lehren dürfen, zeichnet das gesamte Kollektiv anonymisiert.

Die Voynich-Sammlung ist das letzte Gefäß, das letzte Medium eines kollabierenden Wissenssystems.
Die Arche einer unterdrückten, multikulturellen Identität. Eine Botschaft aus einem hochintelligenten, vergessenen Kollektiv.
Das Erbe einer 500 jahre alten Schule. Diese Schule war Europas erste medizinische Protouniversität, das Kollektiv gründete auch den ersten botanischen Garten auf dem europäischen Kontinent.

Du willst die Katalysatoren der Unterdrückung noch besser verstehen?
Hier findest du Antworten auf quälende Fragen.

Kannst du die Konstante des Wissens jetzt zurück verbinden?

Das interdisziplinäre Sein der Autorinnen und des salernitanischen Kollektivs wurde zwischen den Machtansprüchen der spanischen Kolonialherren und der aufstrebenden patriarchalen Ordnung zerrieben. 

Dann bebte 1456 die gesamte Region. Eine Naturkatastrophe mit mind. 30.000 Toten zerstörte alles, was durch die Besatzung noch nicht im Widerstand gebrochen war.

 

Das zerstörte Archiv enthielt noch verschmutzte und stark beschädigte Pergamente. Diese wurden notdürftig aufgearbeitet. Zu feuchte Stellen wurden entfernt. Ebenso alles was, die Zensur als zensurbedürftig einstufte.

Diese Fragmentierung zieht sich durch unzählige salernitanische Traktate. Eine 500 Jahre alte Bibliothek der Civitas Hippocratica verschwindet in der Mitte des 15. Jahrhunderts plötzlich fast spurlos.

 

 

 

 

Die wertvollsten Traktakte blieben in den neuen Machtstrukturen erhalten.

 

Deren Erben haben die Renaissance begründet.

 

 

 

Bern, Burgerbibliothek, Cod. 120.II, f. 100r – Petrus de Ebulo: Liber ad honorem Augusti, lat.

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